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Ideen gegen den Hunger

Der „Innovation Accelerator“ des UN-Welternährungsprogramms in München will Hunger bekämpfen. Können Startups globale Probleme lösen?

Wie funktioniert das Social Startup „Innovation Accelerator“?

„Wir suchen neue Lösungen, die helfen, den Welthunger zu bekämpfen“, sagt Leiter Bernhard Kowatsch. Mitarbeiter des UN-Welternährungsprogramms (WFP), Startups und andere Ideengeber weltweit können sich an das Kreativlabor in München wenden. Ist das Konzept vielversprechend, werden die Teams zu einem einwöchigen „Innovation Bootcamp“ eingeladen. Sie bekommen eine Förderung von 50.000 bis 100.000 Euro und werden bei der Umsetzung ihrer Idee von einem Coach und dem jeweiligen Landesbüro des WFP begleitet.

Welche Ideen sind das?

Zum Beispiel ein System, das Einkäufe von Flüchtlingen in Camps über die Blockchain-Technologie abwickelt, die auch hinter der Internetwährung Bitcoin steht. Das Konto des Flüchtlings liegt nicht bei einer Bank, sondern ist als „E-Wallet“, als virtuelle Geldbörse, in dem System hinterlegt. „Damit sparen wir 98 Prozent an Gebühren“, sagt Kowatsch. 100.000 Flüchtlinge in Jordanien profitieren bereits davon. In Algerien sorgen Hydrokulturen für Hoffnung. Ein algerischer Agraringenieur, selbst in einem Flüchtlingslager aufgewachsen, hatte die Idee dazu: Hydrokulturen brauchen viel weniger Wasser als herkömmliche Landwirtschaft. Mit dieser Methode wird an 80 Orten in der algerischen Wüste nun Gerste als Viehfutter angebaut.

„Ziel ist, dass die Idee möglichst vielen Menschen hilft.“


Bernhard Kowatsch, Leiter des Innovation Accelerators des UN-Welternährungsprogramms

Können kleine Innovationen bei einem so großen Problem wie dem Hunger überhaupt etwas bewirken?

Leider ist die Zahl der Hungernden weltweit nach einer langen positiven Entwicklung 2017 wieder gestiegen. „Das liegt vor allem an Konflikten“, sagt Kowatsch. „Wenn sie nicht enden,werden wir nie eine Welt ohne Hunger erreichen. Aber wenn die Voraussetzungen stimmen, ist es möglich.“ Der Innovation Accelerator unterstützt nur Projekte mit großer Wirkung. „Ziel muss sein, dass es möglichst vielen Menschen hilft.“

Warum ist der „Innovation Accelerator“ in München angesiedelt?

„Wir haben uns zehn Standorte angesehen, unter anderem im Silicon Valley“, sagt Kowatsch. München überzeuge mit einer starken Gründerszene, vielen wissenschaftlichen Einrichtungen und innovativen Unternehmen.

Kann jeder eine Idee einreichen?

Ja, online auf innovation.wfp.org/apply.

WFP Innovation Accelerator (englisch)

Autorin: Helen Sibum

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Deutschland.de publiziert.

Mai 2018

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