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„Man muss eben ganz früh anfangen, ein Bewusstsein für Energieverbrauch und Energieverschwendung zu schaffen“

Name: Olena Gushul
Lebt in: Kiew (Ukraine)
Herkunftsland: Ukraine
Deutschlandaufenthalt: 2010 - 2012
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Universität Trier
Beruf: Junior Professional / Managementassistentin im Cluster Koordination bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Die Steigerung der Energieeffizienz hat in der Ukraine einen hohen Stellenwert. Praktische Informationen sind daher wichtig – für Bürger genauso wie für Fachleute. Nach ihrem Studium in Deutschland, trägt Deutschland-Alumna Olena Gushul heute zur Aufklärung über Umweltbelange und Energieeffizienz bei.

Frau Gushul, Sie haben von 2010 – 2012 mit einem DAAD-OSI-Stipendium an der Universität Trier Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeiten jetzt für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in einem Projekt zur Energieeffizienz mit. Für den DAAD haben Sie damit so etwas wie eine Bilderbuchkarriere gemacht: geraden bei unserem gemeinsamen Stipendienprogramm mit dem Open Society Institute (OSI) war ja das eigentliche Ziel, dass die Absolventen hinterher in einem gesellschaftlich relevanten Bereich arbeiten. Bei den steigenden Energiepreisen, die für viele Ukrainer nur schwer zu bezahlen sind, ist ja das Thema gesellschaftlich sehr relevant. Wie kamen Sie zu dem Thema? 

Ich beschäftige mich damit seit meinem Studium. Ich hatte das Glück, dass es in Trier innerhalb des Fachs Volkswirtschaft eine Spezialisierungsmöglichkeit auf Umwelt- und Energiewirtschaft gab. Dazu habe ich schon meine Abschlussarbeit für den Master an der Universität Trier geschrieben, übrigens mit Ukrainebezug, nämlich zum Thema, warum in der Ukraine nicht mehr in Energieeffizienz investiert wird.

Und warum wird nicht mehr in Energieeffizienz investiert?

Über lange Zeit gab es dazu ja gar keinen Anlass: Energie war so billig, weil sie von staatlicher Seite hoch subventioniert wurde. Da hat man sich gar keine Gedanken gemacht, wie viel man verbrauchte. 

Dafür gibt es natürlich jetzt immer mehr Anlass: eben mit den, schon erwähnten Gaspreisen, die ja auf Druck der internationalen Geldgeber der Ukraine auf Marktpreise angehoben werden sollen. Das beinhaltet ja auch durchaus sozialen Sprengstoff, wenn Leute ihre Heizungsrechnungen nicht mehr bezahlen können. Wenn wir jetzt mal nur von Privatverbrauchern reden: kann man da überhaupt in Energieeffizienz investieren, wenn die Heizung zentral angeschaltet wird?

Gerade bei Privatverbrauchern muss man sehr viel Aufklärung betreiben: es geht ja keineswegs nur um Heizung: man spart auch schon, wenn man das Licht ausschaltet, wenn man aus dem Raum geht, wenn man z.B. einen Aufsatz für den Wasserkran kauft, der den Verbrauch reduziert. Man kann z.B. sogenannte Energieaudits machen lassen, bei denen analysiert wird, wo die Schwachstellen im Verbrauch liegen und was man dagegen tun kann. 

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Aber bei den großen Kostenposten wie zum Beispiel Heizung, bringt es etwas, wenn ich allein in einem Mehrfamilienhaus in Energieeffizienz investiere?

Nein, aber die Eigentümergemeinschaft kann entscheiden – und das passiert eben durchaus, wenn es die wirtschaftlichen Anreize dazu gibt. Energieeffizienzmaßnahmen werden jetzt z.B. durch sogenannte Tepli kredity unterstützt: das sind besonders zinsgünstige Kredite für energetische Sanierung. 

Da müssen sich natürlich erst einmal alle einig sein….

Ja, oft ist es in der Region einfacher, wo die Leute eigene Häuser haben. Interessanterweise passierte besonders viel da, wo die Leute nicht an die zentrale Gasversorgung angeschlossen sind. Dort wird dann oft auf alternative Energien zurückgegriffen, sei es Biomasse oder Sonnenenergie. Und das kann sich wirklich lohnen, über den „zelenyj tarif“, die Einspeisevergütung, kann man zum Beispiel auch wieder überschüssige Energie verkaufen. Man muss natürlich auch da Eigeninitiative entwickeln und einen Antrag stellen. 

Energie war so billig, weil sie von staatlicher Seite hoch subventioniert wurde. Da hat man sich gar keine Gedanken gemacht, wie viel man verbrauchte. 

Das Bewusstsein, wo man überall Geld sparen kann, muss man ja erst einmal entwickeln. Gehört auch die Aufklärung von Konsumenten zu Ihrer Arbeit?

Zurzeit weniger. Das war ein Schwerpunkt bei meinem vorherigen Job an der Polytechnischen Universität Odessa. Da habe ich im Zentrum für Technologietransfer angefangen, und wir haben dort ein Zentrum für Energieeffiziente Technologien gegründet. Dort haben wir ganz viel mit Schülern und Studierenden gearbeitet, man muss eben ganz früh anfangen, ein Bewusstsein für Energieverbrauch und Energieverschwendung zu schaffen. 

Sie sind doch aus Kiew: wie kamen Sie dann nach Odessa?

Als ich aus Trier zurückkam, habe ich mich um ein Reintegrationsstipendium der CIM (Zentrum für Internationale Migration und Entwicklung, eine Arbeitsgemeinschaft der GIZ und der Bundesagentur für Arbeit) beworben. Das ist ein Stipendium für Leute, die in Deutschland studiert haben und in die Ukraine zurückkommen wollen. Man bekommt eine Aufstockung zu dem relativ geringen Gehalt, das z.B. eine ukrainische Hochschule zahlen kann. In diesem Programm werden Stellen ausgeschrieben, und die in Odessa war sehr interessant für mich. Das Stipendium ist natürlich zeitlich begrenzt. Für mich war es ein Sprungbrett: durch die Erfahrung und die Kontakte habe ich meine jetzige Stelle bekommen. 

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Interview: Gisela Zimmermann und Oksana Schwaika, DAAD-Informationszentrum in Kiew.

Februar 2019

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