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Round-up Talk: Gleichberechtigung

Fünf Experten, fünf Fragen: Frage 3

Wie setzen Sie sich für mehr Gleichberechtigung ein? Was wollen Sie mit Ihrem Engagement erreichen?

Mala Pandurang:

Ich habe das Glück, dass meine Institution unter dem Dach der „Seva Mandal Education Society“ steht. Diese Stiftung hat 1957 mit nur sieben Studentinnen ihre erste Hochschule nur für Frauen eröffnet. Heute sind es sieben Hochschulen und rund 5.500 Studentinnen. Wir nehmen auch immer mehr Studentinnen aus Minderheitengemeinschaften und einkommensschwachen Gegenden im näheren Umkreis auf. Die Vision des Managements ist die Stärkung von Frauen durch Ausbildungsqualität. Als Leiterin der Institution engagiere ich mich für eine Richtlinie zur Aufnahme von Studentinnen für ein grundständiges Studium unabhängig vom Notendurchschnitt, solange im jeweiligen Studiengang Plätze frei sind. Denn meistens sind schlechte akademische Leistungen von Studentinnen das Ergebnis verschiedener Faktoren, die über wissenschaftliches Denkvermögen oder den IQ hinausgehen.

Ich bin außerdem überzeugt, dass jede Studentin ein Anrecht auf die besten Bildungsmöglichkeiten und Betreuungsleistungen hat und ich möchte gewährleisten, dass meine Studentinnen von denselben Einrichtungen und Betreuungsleistungen profitieren, wie es sie an elitäreren Institutionen gibt. Mein Engagement beinhaltet auch, alles dafür zu tun, um Gelder von Unterstützern und Gönnern einzuwerben, sodass wir gebührenfreie Studienplätze und Stipendien anbieten können. Ich engagiere mich für Bildung als Mittel zur Stärkung von Frauen, beruflich wie privat. Ich finde, jede Studentin sollte gleichwertige Möglichkeiten und gleiche Chancen auf hochwertige Bildung haben, dank der sie ihr Potenzial entfalten und ihre Kapazität für Gleichberechtigung maximieren kann. Dies gilt sowohl im Hinblick auf horizontale Gleichberechtigung, bei der alle Menschen unabhängig von Status, Kaste, Religion oder Geschlecht gleichgestellt sind, als auch auf vertikale Gleichberechtigung, die letztlich Chancengleichheit herbeiführen wird.

Juan Auz:

Ich habe mit indigenen Organisationen zusammengearbeitet und ihnen geholfen, die Macht der Gesetze und Interessenvertretung für sich zu nutzen, sodass sie dem hochproblematischen, ethischen Thema der Ausbeutung ihrer Territorien durch Dritte gewachsen sind, einer Praktik, die keineswegs ein gutes Beispiel für Gleichberechtigung ist. Die Rechtsvertretung derjenigen, die von Rohstoffgewinnungsmaßnahmen betroffen sind – meist inspiriert durch andere, die erfolgreich ihre Würde verteidigt haben – und das Wissen darum, wie juristische und lobbyistische Instrumente angewandt werden, haben sich als sehr wirksam im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit erwiesen. In dieser Hinsicht war meine Arbeit die des Vermittlers: jemand, der darüber informiert, wie wir diese Bevölkerungsgruppen durch das Verständnis von Gesetzen und Menschenrechten stärken können.

Dieser Ansatz hat mir ermöglicht, neue Arten von Brücken zwischen Welten zu bauen, zumal die alten indigene Bevölkerungsgruppen überhaupt nicht begünstigten. Ich glaube, dieses Engagement leistet einen bescheidenen Beitrag für eine nachhaltigere, gerechtere und verantwortungsvollere Welt, nicht nur um der Natur willen, sondern auch ihrer angestammten Hüter.

Eeva Rantamo:

Inklusive Kulturarbeit ist mein Handlungsfeld, in dem ich meine besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen kann. Die Arbeit für Inklusion ist nur als Arbeit für Gleichberechtigung denkbar. Kunst und Kultur formen unser Bild der Welt. Sie sind Mittel der Aufklärung und Befreiung, können aber auch für Ausgrenzung und Unterdrückung missbraucht werden.

Alle Menschen haben das gleiche Recht, Kunst und Kultur zu genießen und mit ihrer Hilfe die eigene Aufklärung und Befreiung nach ihrem Willen zu gestalten. Auf dieser Grundlage versuche ich immer wieder, gemeinsam mit allen Beteiligten die Voraussetzungen für mehr befreiende Möglichkeiten in Kunst und Kultur zu schaffen. Um zu guten Lösungen zu kommen, erarbeite ich dazu gemeinsam mit den Einrichtungen Analysen und Konzepte, führe Fortbildungen durch oder vermittle Kontakte zu anderen Fachleuten.



Elena Lipilina:

Ich setze mich unermüdlich für mehr Gleichberechtigung ein, indem ich für Sport als eine der Plattformen werbe, die Frauen stärken kann, und für die Wichtigkeit gleichberechtigter Vertretung von Frauen sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport trommle. Sport hat ein riesiges Potenzial für das Empowerment von Frauen und Mädchen. In vielen Ländern hat man erkannt, dass er Motor dafür sein kann, dass Frauen mehr gehört und Geschlechtergrenzen und Diskriminierung überwunden werden.

Frauen im Sport trotzen dem Irrglauben, dass sie schwach oder unfähig seien. Es ist hinreichend belegt, dass Teilhabe und Beteiligung von Frauen an Sport ihr Selbstwertgefühl exponentiell anheben kann, die Entwicklung von Führungsqualitäten fördern kann und dazu noch Frauen unabhängig von Staatsangehörigkeit, sozialem Status, Alter, körperlicher Fähigkeit und sexueller Orientierung zusammenbringen kann. Um das zu veranschaulichen, habe ich die „Women‘s Summer Games“ als skalierbares globales Projekt konzipiert, eine Art „Olympische Frauen-Freizeitspiele“, bei denen die Teilnahme nicht professioneller Teams und Sportlerinnen erwünscht ist und die als internationales Forum für Geschlechtergleichstellung fungieren sollen.

Marco Tulio Pereira Silva:

Ich setze mich für mehr Gleichberechtigung ein, indem ich über Diversität und Inklusion aufkläre. Je mehr Menschen Verschiedenheit würdigen, desto eher erreichen wir Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Mit gutem Beispiel voranzugehen ist auch eine Methode, das Bewusstsein für die Bedeutung von Koexistenz und damit Gleichberechtigung zu erhöhen.

Mit meinem Engagement möchte ich Menschen, Unternehmen und Regierungen positiv beeinflussen, damit die Gesamtgesellschaft auf die Gleichberechtigung und Inklusion von uns allen hinarbeiten kann.

April 2020