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Round-up Talk: Gleichberechtigung

Fünf Experten, fünf Fragen: Frage 5

Solch ein Einsatz ist sehr wichtig, aber nicht immer einfach. Welche konkreten Tipps haben Sie für Menschen, die sich auch für mehr Gleichberechtigung einsetzen wollen?

Mala Pandurang:

Es ist wichtig, proaktiv und positiv zu sein. Wir müssen nach Gleichgesinnten suchen, die dieses Anliegen unterstützen, und glauben Sie mir, davon gibt es viele. Manche helfen mit Geld, manche mit Zeit und Know-how und andere beteiligen sich aktiv an Basisbewegungen. Wir müssen die Unterstützung aller drei Gruppen gewinnen, um die Mentalität bezüglich Genderfragen und Voreingenommenheit gegenüber denjenigen zu ändern, die anders sind. Ich denke, dass Veränderung bei der Jugend beginnt, und soziale Medien sind ein höchst wirksames Mittel, um junge Menschen zu erreichen und soziologische Barrieren anzugehen, nämlich in der Gesellschaft vorherrschende Einstellungen und Normen. Nicht alle Familien erleben ökonomische Zwänge und dennoch betrachten sie Bildung für Frauen als unwichtig.

Juan Auz:

Zuallererst sollten Sie stets über Herausforderungen und Chancen der Gleichberechtigung informiert bleiben. Das Konzept ist offenkundig sehr umfassend und kann auf praktisch jeden Bereich des täglichen Lebens angewandt werden, in dem ein Machtverhältnis existiert. Dazu ist es wichtig, dass Sie einen Grundsatz finden, von dem Sie überzeugt sind, zum Beispiel die Unterbindung von Diskriminierung am Arbeitsplatz oder die Begrenzung von Unternehmenslobbying. Ebenso ist es wichtig, den Gesamtzusammenhang und die Rolle zu verstehen, die ein bestimmtes Ungleichheitsproblem dabei spielt. Der Blick aufs große Ganze erlaubt Ihnen, Ihre Erwartungen zu steuern, wenn Kampagnen auf gesellschaftliche Symptome und nicht das Grundübel abzielen. Wenn Sie sich zum Beispiel mit den Rechten von Umweltschützern befassen, wäre es gut zu wissen, wie nicht nur deren Sicherheit erhöht werden kann, sondern auch, warum die Unternehmen überhaupt so erpicht darauf sind, auf deren Land zu operieren.

Eeva Rantamo:

Mein Arbeitsfeld ist die inklusive Kulturarbeit. Ich berate und unterstütze Kultureinrichtungen und stehe im ständigen Austausch mit finnischen und anderen internationalen Experten, aber auch mit Angehörigen der oftmals nicht beachteten und ausgeschlossenen Gruppen und ihren Organisationen. Meine Erfahrungen stammen aus dieser Arbeit, aber ich halte sie für allgemein nützlich:

Handeln Sie mit anderen, nicht für andere. Suchen Sie offenen Austausch und echte, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Beraten und diskutieren Sie die Lage gemeinsam, setzen Sie sich gemeinsame Ziele. Machen Sie sich selbst kundig und reden Sie mit Fachleuten. Suchen Sie Ihren eigenen Weg, hören Sie nicht auf das Marktgeschrei.

Elena Lipilina:

Lassen Sie nicht locker. Es ist schwer; Sie werden manchmal denken, dass Sie keine Fortschritte machen und Ihr Tun wenig bis gar nichts bewirkt. Aber das stimmt nicht. Sie bewirken jeden Tag etwas, das vielleicht zu gesellschaftlichen Veränderungen führt und uns näher an Geschlechtergleichstellung heranbringt.

Vergessen Sie jedoch nicht, auf sich selbst und Ihre Bedürfnisse zu achten. Das mag kontraintuitiv klingen, aber wenn Sie überlastet sind, können Sie nicht viel verändern. Sie müssen daher zusehen, dass Sie sich nicht verausgaben und Ihr Einsatz nicht Ihr ganzes Leben bestimmt, sondern dass er bereichernde und sinnstiftende Wirkung hat.

Informieren Sie sich. Je mehr Sie lesen und je tiefer Sie ins Thema eintauchen, desto mehr praktische Beispiele finden Sie und desto besser verläuft die Interaktion mit Personen, die sonst nicht von Ihrem Anliegen überzeugt wären.

Marco Tulio Pereira Silva:

Meine Empfehlungen sind einfach: Seien Sie offen, stellen Sie eigene Gewissheiten in Frage, beobachten Sie, was in Ihrer Wirklichkeit und der von anderen passiert. Und nehmen Sie sich auf jeden Fall Zeit für Gespräche! Reden Sie mit anderen, vor allem mit denen, die nicht wie Sie denken. Hören Sie allen zu, aber, wie das Paradox der Intoleranz es vorschreibt: Tolerieren Sie keine Intoleranz.

Sich für Gleichberechtigung einzusetzen bedeutet nicht unbedingt, an Straßenprotesten teilzunehmen, Social-Media-Influencer zu sein oder eine politische Karriere einzuschlagen, um etwas zu erreichen. Es beginnt zu Hause, in der Nachbarschaft, in der Schule, an der Universität, auf der Straße. Ein geringfügiges Engagement vor Ort ist meiner Meinung nach der erste und wichtigste Schritt in Richtung Gleichberechtigung.

Mai 2020