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„KI Made in Germany“: Übersicht zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland

In den Medien ist das Thema Künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Ein internationaler Wettlauf um die schlauesten Maschinen und smartesten Systeme hat begonnen. Das Ziel Deutschlands ist klar: Man will im Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik international führend werden, am besten an die Weltspitze gelangen. Wie Deutschland im Vergleich zu seinen Konkurrenten, etwa den USA oder China, dasteht, wird teilweise kontrovers diskutiert – es gibt unterschiedliche Einschätzungen. In diesem Beitrag stellen wir vor, wie es aktuell um KI in Deutschland bestellt ist und beleuchten deutsche Politik, Studiengänge, Forschung, Start-Ups sowie Plattformen und Projekte im Bereich Künstliche Intelligenz.

Politische Förderung von KI

Eins scheint sicher, KI wird die Arbeit und Gesellschaft weitreichend verändern. Die Bundesregierung bemüht sich daher nicht nur um bundesweite KI-Förderung, etwa mit geplanten Investitionen in Höhe von 3 Mrd. Euro bis 2025, sondern auch darum, dass aus technologischem Fortschritt auch sozialer Fortschritt wird.

Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung
Seit 2018 forciert die Bundesregierung mit ihrer nationalen KI-Strategie den Weg Deutschlands zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien. Viele Experten beteiligten sich an der Gestaltung der Strategie, die vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen der Technologie, die wesentlichen Rahmenbedingungen vorgibt. Die KI-Strategie legt zwölf Handlungsfelder fest. Sie ist als lernende Strategie angelegt, die es kontinuierlich gemeinsam durch Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft neu zu justieren gilt. Auch die Bundesländer haben daran angelehnt strategische Ziele und konkrete Maßnahmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz definiert. Weitere Informationen zur Strategie und Beispiele für Projekte finden sich auf der Website: https://www.ki-strategie-deutschland.de/home.html. Dort kann auch die Gesamtstrategie in deutscher und englischer Sprache heruntergeladen werden.

Wissenschaftsjahr 2019
Seit knapp zwei Jahrzehnten richten das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Initiative Wissenschaft im Dialog ein Wissenschaftsjahr aus, bei dem eine Wissenschaftsdisziplin oder ein aktuelles Wissenschaftsthema im Mittelpunkt steht. 2019 widmet sich das Wissenschaftsjahr dem Thema Künstliche Intelligenz. Institutionen, Bildungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen beteiligen sich mit ihrer Forschungskompetenz. Zu den Formaten zählen Filmvorführungen, Diskussionsrunden, Mitmach-Aktionen und vielen weiteren Veranstaltungen. Auf der Website des Wissenschaftsjahres finden sich viele Informationen und Neuigkeiten, u.a. zu Projekten, Veranstaltungen und Möglichkeiten, sich zu beteiligen: https://www.wissenschaftsjahr.de/2019/.

KI-Studiengänge

Künstliche Intelligenz gilt als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien und entsprechend sind Experten für KI weltweit begehrt. Deutsche Hochschulen sind bemüht, Nachwuchs in diesem Bereich auszubilden und bieten passende Studiengänge auf Bacherlor- und Master-Niveau an. Hier einige Beispiele:

Beuth Hochschule für Technik in Berlin: Humanoide Robotik (Bacherlor)
Im Bachelorstudiengang Humanoide Robotik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin lernt man, Roboter zu konstruieren und deren Verhalten und Lernfähigkeit zu programmieren. Auch ethische, rechtliche und soziale Aspekten des Robotereinsatzes werden thematisiert. Hier erfahren Sie mehr: https://www.beuth-hochschule.de/b-hrob.

Technische Universität München: Robotics, Cognition, Intelligence (Master)
Im interdisziplinären Masterstudiengang „Robotics, Cognition, Intelligence“ an der Technischen Universität München werden Inhalte aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik kombiniert. Der Unterricht findet auf Deutsch und Englisch statt. Hier erfahren Sie mehr: https://www.in.tum.de/index.php?id=173.

Ludwig-Maximilians-Universität München: Data Science (Master)
Der englischsprachige Masterstudiengang in Data Science an der Ludwig-Maximilians-Universität München vermittelt Kernkompetenzen für die Entwicklung von Systemen mit KI. Kenntnisse aus Mathematik, Informatik und Statistik werden vermittelt, um zum Umgang mit Big Data zu befähigen. Hier erfahren Sie mehr: https://www.uni-muenchen.de/studium/studienangebot/studiengaenge/studienfaecher/data_science/master1/index.html.

KI-Forschungsinstitutionen

Die Bundesregierung will die Förderung bestehender Kompetenzzentren zur KI-Forschung bis 2022 verdoppeln. Wichtige KI-Forschungszentren gibt es an den Universitäten in München, Tübingen, Berlin, Dortmund/ Sankt Augustin und Dresden/ Leipzig. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz unterhält mehrere Standorte in Deutschland. Nachfolgend stellen wir einige Einrichtungen vor:

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (mehrere Standorte in Deutschland)
Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wurde 1988 gegründet und ist auf dem Gebiet innovativer Softwaretechnologien auf der Basis von KI führend in Deutschland. In zwanzig Forschungsbereichen und Forschungsgruppen, acht Kompetenzzentren und acht Living Labs werden ausgehend von anwendungsorientierter Grundlagenforschung Produktfunktionen, Prototypen und patentfähige Lösungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie entwickelt. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Instituts: https://www.dfki.de/web/.

Cyber Valley (Region Stuttgart-Tübingen)
Am Forschungsverbund Cyber Valley sind unter anderem das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie große Unternehmen wie Daimler, Bosch, Amazon und Facebook beteiligt. Damit ist das Cyber Valley eine der größten Forschungskooperationen Europas aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Internationale Spitzenteams forschen vorrangig zu Maschinellem Lernen und Autonomer Robotik. An der Graduiertenschule für Intelligente Systeme sollen künftig 100 Doktoranden ausgebildet werden. Weitere Informationen finden sich auf der Website: https://www.cyber-valley.de/.

Munich School of Robotics and Machine Intelligence (München)
Dieses interdisziplinäre Institut wurde im Herbst 2018 an der Technischen Universität München eröffnet. Ziel des integrativen Forschungszentrums ist es, innovative und nachhaltige Lösungen und Technologien zu erarbeiten, um mithilfe von Maschineller Intelligenz zentralen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Die Schwerpunkte der Arbeit sind Gesundheit und Mobilität. Weitere Informationen finden sich hier: https://www.msrm.tum.de/startseite/.

Förderprogramme für KI-Forschung

Die Bundesregierung, deutsche Förderorganisationen und Stiftungen fördern nationale und internationale Wissenschaftler, die zum Thema Künstliche Intelligenz in Deutschland forschen. Um die klügsten Köpfe nach Deutschland zu holen und dort zu halten, wurden verschiedene Förderprogramme initiiert. Einige Fördermöglichkeiten stellen wir hier vor:

Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz (Alexander von Humboldt-Stiftung)
Mit der Alexander von Humboldt-Professur werden weltweit führende und bislang im Ausland tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die langfristig zukunftsweisende Forschung an deutschen Hochschulen durchführen sollen. Bis zu 30 zusätzliche Alexander von Humboldt-Professuren sollen bis zum Jahr 2024 auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz besetzt werden. Hiermit will die Alexander von Humboldt-Stiftung zur nationalen KI-Strategie der Bundesregierung beitragen, die die Schaffung neuer KI-Lehrstühle in Deutschland zum Ziel hat. Daneben bleiben bis zu zehn Professuren jährlich wie gewohnt für alle Disziplinen offen. Weitere Informationen zur Humboldt-Professur finden sich hier: https://www.humboldt-professur.de/.

Strategische Förderinitiative zu Künstlicher Intelligenz (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will mit einer neuen strategischen KI-Förderinitiative in verschiedenen Programmen Projekte aus allen Bereichen der KI-Forschung fördern. Im Rahmen der Initiative sollen bis zu acht Forschungsgruppen und bis zu 30 Nachwuchsgruppen ausgeschrieben und gefördert werden. Beispielsweise ruft die DFG besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler im Forschungsfeld KI zur Antragstellung im Emmy Noether-Programm auf.  Informationen zu dieser Ausschreibung finden sich hier: https://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2019/info_wissenschaft_19_74/index.html.

Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen (Volkswagenstiftung)
Die Förderinitiative der Volkswagenstiftung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in Konsortien aus Technik-, Gesellschafts- und/ oder Geisteswissenschaften zusammenfinden. So sollen neuartige Projektkonstellationen und interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht werden. Ein entsprechender Perspektivenwechsel in den interdisziplinären Forschungsteams soll zu neuen Sichtweisen und Lösungsansätzen führen. Weitere Informationen finden sich hier: https://www.volkswagenstiftung.de/unsere-foerderung/unser-foerderangebot-im-ueberblick/kuenstliche-intelligenz-ihre-auswirkungen-auf-die-gesellschaft-von-morgen.

KI-Unternehmen und Start-ups

In Deutschland gibt es zahlreiche Unternehmen, die sich im Bereich Künstliche Intelligenz rasant entwickeln. Auch immer mehr junge Unternehmen und Start-ups befassen sich mit Künstlicher Intelligenz. Die meisten der deutschen KI-Start-ups finden sich in Berlin und München, gefolgt von Karlsruhe und Hamburg. Wir stellen eine kleine Auswahl hier vor:

MonitorFish (Berlin)
Der von MonitorFish entwickelte Lösungsansatz dient der intelligenten Echtzeit-Überwachung von Aquakulturen in der Fischzucht. Hierfür nutzt er Prinzipien des Machine Learning, ein Sensorennetzwerk und die dezentralisierte Datenauswertung in einer Datencloud. So wird das Echtzeit-Fischgesundheitsmanagment automatisiert und vereinfacht. Das Diagnostik-System generiert auch automatisch Handlungsempfehlungen auf Expert_innen-Niveau und maximiert dadurch die Fischausbeute und das Tierwohl. Zur Website des Unternehmens geht es hier: http://monitorfish.com/.

Wandelbots (Dresden)
Das Dresdner Start-up bietet eine Technologie, die es ermöglicht, ohne Fachkenntnisse und große finanzielle Sprünge Roboter zu programmieren. Damit künftig auch kleine Betriebe Industrieroboter schnell, einfach und gewinnbringend einsetzen können, entwickelt das Unternehmen Roboter-Anlernstationen. Dort sollen ab 2020 selbst Laien lernen, mit speziellen Sensorstiften Roboter zu programmieren. Zur Website von Wandelbots geht es hier http://www.wandelbots.com/.

Merantix (Berlin)
Das Unternehmen will mit seinem Angebot Unternehmen unterstützen, Ergebnisse aus der KI-Forschung in praktische Anwendungen für verschiedene Branchen – etwa die Automobilbranche oder den Gesundheitsbereich – umzusetzen. Dafür hat es eine Inkubationsplattform geschaffen, auf der Teams aus Ingenieuren und Mitarbeiter von Unternehmensseite weltweit daran arbeiten, Forschungsergebnisse in Industrieprodukte und –Anwendungen umzusetzen. Zur Website des Unternehmens geht es hier: https://www.merantix.com/.

KI-Bundesverband
Der KI Bundesverband setzt sich aus mehr als 160 innovativen deutschen Unternehmen, Start-ups und Experten zusammen, bei denen die Entwicklung und Anwendung von Technologien auf Basis von Künstlicher Intelligenz zentraler Geschäftszweck ist. Die Website und das Mitgliederverzeichnis finden Sie hier: https://ki-verband.de/#about.

KI-Projekte der Zukunft

Die KI-Strategie der Bundesregierung sieht nicht nur eine stärkere finanzielle Förderung für bestehende Einrichtungen und Projekte vor, sondern sie födert auch neue Projekte, die im Themenfeld Künstliche Intelligenz begonnen werden. Hier stellen wir einige ausgewählte Pläne vor, die 2020 und darüber hinaus umgesetzt werden sollen:

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für sichere KI-Systeme
Ab Januar 2020 soll sich das neue DLR-Institut für sichere KI-Systeme in Sank Augustin und Ulm damit beschäftigen, KI-getriebene Kommunikations-, Navigations- und Erdbeobachtungssatelliten, beim Zugriff auf externe Datenquellen abzusichern. Dieses DLR Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie betreut.

Eröffnung des deutschen KI-Observatoriums
Das KI-Observatorium ist ein Projekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Ab März 2020 soll es analysieren, welche Auswirkungen die Anwendung von Künstlicher Intelligenz auf Arbeit und Gesellschaft hat. In einem nächsten Schritt sollen dann Handlungsempfehlungen entwickelt und europäische und internationale Strukturen zum Thema KI in Arbeit und Gesellschaft aufgebaut werden.

Aufbau digitaler Forschungshubs im Bereich Gesundheit
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird ab dem Jahr 2020 die Zusammenarbeit verschiedener regionaler Partner erproben, die sich mit digitalen Versorgungsansätzen, insbesondere im Bereich von KI-Anwendungen, befassen. Das Projekt startet mit Universitätskliniken, die sich an einen Medizininformatik-Initiative beteiligten.

Weitere Informationen zu KI in Deutschland

Insbesondere seit 2019 ist das Angebot an Informationen und Plattformen zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland stark gewachsen. Nachfolgend stellen wir einige Webseiten vor, die weiterführende Informationen zu KI in Deutschland bieten:

Plattform Lernende Systeme
Die Plattform Lernende Systeme ist ein Ort des Austauschs und der Kooperation und bringt Expertise aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zum Thema KI zusammen. Der Internetauftritt bietet vielseitige Informationen zu KI in Deutschland, aber auch zu KI-Initiativen und -Akteuren weltweit. Anhand ausgewählter Fallbeispiele aus unterschiedlichen Branchen wird verdeutlicht, wie der Einsatz neuer Technologien unsere Gesellschaft heute und in Zukunft unterstützen kann. Hier geht es zur Website: https://www.plattform-lernende-systeme.de/. Besonders informativ ist auch die KI Landkarte Deutschland, welche wichtige KI-Akteure der Wissenschaft und deren Forschungsschwerpunkte sowie Beispiele aus Wirtschaft und Praxis vorstellt: https://www.plattform-lernende-systeme.de/ki-in-deutschland.html. Die Landkarte wird sukzessive um weitere Beispiele innovativer Anwendungen, bei denen KI eine tragende Rolle spielt, erweitert. Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht über die deutsche KI-Gründerlandschaft macht Startups im Feld der Künstlichen Intelligenz sichtbar und schafft so Möglichkeiten zur Vernetzung. Die Übersicht findet sich hier: https://www.plattform-lernende-systeme.de/startups.html.

KI als Jahresthema 2019 der DWIH
Auch die Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) widmeten ihr Jahresthema 2019 dem Thema KI. Mit den übergreifenden Jahresthemen bündeln die DWIH ihre vielschichtigen Aktivitäten, um gemeinsam mit ihren Unterstützern und internationalen Partnern Antworten auf zentrale Zukunftsfragen zu finden. Zur Website des Jahresthemas KI geht es hier: https://www.dwih-netzwerk.de/de/jahresthemen-der-dwih/weltweite-kooperationen-zur-kuenstlichen-intelligenz/.

Dezember 2019

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